Laufende Drittmittelprojekte

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Produktive Lektüre: Thomas Manns Nachlassbibliothek

Das Projekt "Produktive Lektüre: Thomas Manns Nachlassbibliothek" wird vom SNF gefördert.

Die Projektbeschreibung finden Sie hier.

Hermann Cohen. Eine wissenschaftliche Biographie

Andreas Kilcher und Hartwig Wiedebach

Hermann Cohen galt seit seinem epochalen Buch "Kants Theorie der Erfahrung" (1871) als einer der differenziertesten Vertreter einer an Kant orientierten Neubesinnung. 1876 erhielt er als erster Jude in Deutschland ein philosophisches Ordinariat in Marburg. Das gab ihm festen Stand in der akademischen Szene und, verbunden mit seinem offensiv vertretenen Judesein, eine Schlüsselrolle in den Debatten um die religiös-geistige sowie politisch-soziale Rolle der Juden im wilhelminischen Kaiserreich.
Cohens akademisch-öffentliche Erscheinung war impulsiv und spannungsgeladen. Sein Leben und Wirken stand immer in Zusammenhang mit zeitgeschichtlichen Entwicklungen. Zudem verschmolz sein Philosophieren je länger je mehr mit einem Bekennen zu seinen jüdischen Quellen; die Persönlichkeit wurde ein Formelement seiner Philosophie. Politische und familiäre Einflüsse, Begünstigungen und Hemmnisse trugen das Ihrige dazu bei. Das geplante Buch wird diese philosophische, religiöse und politische Erscheinung differenziert und umfassend darstellen.

"Max Frisch im Zeitalter des Kalten Krieges." Eine literaturwissenschaftliche Biographie der Jahre 1955-1991 und ein Handbuch

Andreas Kilcher und Julian Schütt

Max Frisch Hauptwerke entstanden zwischen Mitte der 1950er und den frühen 1980er Jahren, als die Blocksituation des Kalten Krieges nicht nur das politische, sondern auch das kulturelle Leben prägte. Erstmals soll Frischs intellektuelles und literarisches Wirken in einer literaturwissenschaftlichen Biographie umfassend dargestellt werden.

Dieses Projekt wird vom Schweizerischen Nationalfonds gefördert.

Weitere Informationen zum Projekt.

Kombinatorik als mediale Implosion

Andreas Kilcher und Tore Langholz

Projekt im Rahmen des NCCR Medienwandel – Medienwechsel – Medienwissen. Historische

Das Teilprojekt untersucht Formen und Funktionen medialer ‹Implosion› am Beispiel der Kombinatorik. Der Begriff der ‹Implosion› (Baudrillard, McLuhan) beschreibt dabei keine Dysfunktion innerhalb nachrichtentechnischer Abläufe, keine Störungen des medi-alen Systems, sondern solche Emergenzphänomene, die strukturell an das Gelingen von Medialität gekoppelt sind: einem Überschuss an semiotischem und medialem Aufwand steht ein Verschwinden des Semantischen entgegen. Dieser Befund ist bislang als charakteristisch für das digitale Zeitalter erachtet worden. Das Vorhaben geht jedoch davon aus, dass Informationsüberflutung die Frage nach Modellen der Sammlung, Speicherung und Zirkulation von Wissensdaten schon in vormodernen Epistemologien relevant machte. Die Kombinatorik ist ein hervorragendes Beispiel dafür: Sie galt nicht nur als ein universalisierendes Verfahren der Rationalisierung in der Findung und Speicherung von Wissen; an ihr zeigt sich auch die implosive Kraft eines freigesetzten Medialen, das Wissensordnung und Sinnproduktion entgegensteht. Dabei lassen sich zwei Varianten unterscheiden: eine enzyklopädische, die die Implosion des Sinns in universalwissenschaftlicher Hyperorganisation auffängt und auf Allwissen zielt, sowie eine mystisch-ekstatische Variante, die gerade auf die Auflösung des Wissens zielt. (1) Das in der Tradition des Lullismus als «Wissenskunst» (ars generalis oder ars mag- na sciendi) entwickelte Verfahren der Wissensgenerierung vermittels Kombination lotet die Grenzen des alphabetischen Zeichensystems dadurch aus, dass es gewaltige semiotische Überschüsse produziert, die semantisch nicht mehr einholbar sind. Im Zuge der explosionsartigen Ausdehnung des semiotischen Bestandes durch Kombination vollzieht sich eine Implosion des Semantischen. Dabei zielen die lullistischen Wissensmodelle dennoch auf eine Regulierung solcher Zeichenbewegungen. Die mediale Energie dieses Verfahrens lässt den Sinn gewissermassen kontrolliert implodieren: als umfassende Mö- glichkeit von Wissen. (2) Die mystisch-ekstatischen Modelle der Kombinatorik dagegen zielen auf Deregulierung, indem sie die Implosion des Sinns geradezu zelebrieren. Beispielhaft dafür ist die Kabbala. Gegenüber dem rationalen Wissensmodell der lullischen ars weist sie funktionale Differenzen wie methodische Divergenzen in der kombi- natorischen Verfahrensweise auf. Insbesondere die «ekstatische Kabbala» (Abraham Abulafia) führt die schreibtechnische Expansion der Kombination (chochmath ha-ziruf) bewusst zur Implosion von Semantik, Information und Wissen. Allwissen weicht hier der Aufhebung des Denkens in einem medialen pleroma. Ziel der Kabbala ist nicht die Erschöpfung des Möglichen, sondern eine Logik der Überbietung von zeichenhafter Sinnproduktion mit dem Ziel der Erfahrung eines unnennbaren Göttlichen im Rauschen der Schriftzeichen.

Das Wissen des Zionismus - Form und Funktion von Wissen und Wissenschaft in zionistischer Publizistik und Literatur

Andreas Kilcher und Alexander Alon

Gefördert vom Schweizerischen Nationalfonds

Wissen und Wissenschaft spielten bei der Herausbildung des Zionismus um 1900 eine herausragende Rolle. Die Realisierung der Ziele des politischen Zionismus erforderte verstärkt naturwissenschaftliches und technisches Wissen, der Kulturzionismus wiederum ging mit kultur- und geisteswissenschaftlichen Projekten einher und leistete grundlegende Reflexionen in Bezug auf das Wissen und seine kulturpolitische Funktion. Der engen Bindung an die wissenschaftlichen Erkenntnisse der Moderne wurde zugesprochen, dass sie der jüdischen Moderne zwischen Assimilation und Diaspora eine neue, nationale Dimension verleihen konnten.

Vor diesem Hintergrund macht es sich das Forschungsprojekt zum Ziel, Form und Funktion von Wissen und Wissenschaft innerhalb der zionistischen Publizistik und Literatur von der Entstehung der zionistischen Bewegung in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bis in die Zeit der Staatsgründung um 1945 zu untersuchen. Es wird dabei davon ausgegangen, dass sich die Kon­stitution eines dezidiert ›zionistischen Wissens‹ vor allem auf der Ebene wissenschaftlicher Konzeptionen, ihrer publizistischen Konkretisierung und ihrer literarischen Verhandlung untersuchen lässt – daher die Lokalisierung des Gegenstandes in Publizistik und Literatur. Das ›Wissen des Zionismus‹ ist nicht nur von politischer Pragmatik, sondern wesentlich auch von rhetorischen, ästhetischen und poetologischen Schreibweisen bestimmt. Es soll mithin herausgearbeitet werden, wie sich Vorstellung, Konzep­tion sowie Verbegrifflichung und Funktionalisierung von Wissen in zionistischer Wissensverarbeitung und -vermittlung charakterisieren lassen.

Wissenschaftliche Edition von Louis Ginzbergs "Legends of the Jews“

Andreas Kilcher, Ricarda Dick und Johannes Sabel

Gefördert durch die Gerda-Henkel-Stiftung

Louis Ginzbergs (1873-1953) Sammlung Legends of the Jews, um die es geht, bildet den Höhepunkt jüdischer Erzählsammlungen in der Moderne in dreifacher Hinsicht: (1) Die „Legends“ sind die umfassendste Sammlung traditioneller jüdischer Erzählliteratur, die außerhalb der kanonisch-religiösen Schriften des Judentums existiert; (2) die Sammlung ist vom wissenschaftlich-editorischen Standpunkt das avancierteste Projekt im Feld jüdischer Erzählsammlungen, das in der Moderne durchgeführt wurde; es ist darin der Kulminationspunkt einer etwa 150-jährigen Entwicklung säkularer Sammlungen jüdischen Erzählgutes im deutschsprachigen Raum, vergleichbar mit den Sammelprojekten der Brüder Grimm in der deutschen Literatur; (3) die „Legends“ sind seit ihrer siebenbändigen Erstausgabe 1909-1938 die in der englischsprachigen Welt weitverbreiteste Anthologie jüdischer Literatur. Wesentlich für das hier anvisierte Projekt ist nun, dass diese englische Ausgabe eine sekundäre Bearbeitung bzw. Übersetzung ist, das ursprüngliche Manuskript aber in deutscher Sprache verfasst ist. Dieses Manuskript aber wurde bisher weder archivarisch aufgearbeitet, philologisch untersucht noch jemals in der deutschen Originalsprache ediert. Genau darauf zielt das vorliegende Projekt: auf die wissenschaftliche Erschließung, philologische Bearbeitung und Edition des deutschen Originaltextes.

 
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Wed Jun 28 13:24:40 CEST 2017
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